Schülerbesuch 2006

Mit vierzehn lettischen Schülerinnen und Schülern vom 17. – 25.Oktober 2006 auf einer Bildungs- und Informationsreise durch vier Bundesländer – ein besonderes Erlebnis

Der Förderkreis „Brücke zum Baltikum“ besteht nun bereits fünf Jahre, und der Vorstand freute sich, im Jubiläumsjahr – ganz im Sinne der Zielsetzung des Förderkreises – diese Reise zu organisieren und (mit seiner Ehefrau) zu begleiten. Die überwiegende Anzahl der Abiturienten in Lettland, die ein Deutsches Sprachdiplom anstreben, fühlt sich nicht ausreichend informiert über die Bedingungen und Möglichkeiten eines Studiums in Deutschland. Den „Studenten von Morgen“ sollte daher neben den fachlichen Informationen auch die Möglichkeit gesellschaftlicher Kontakte im Falle eines Studiums in Deutschland vorgestellt werden.

Das pädagogische Ziel des Besuchs war es – neben der Vertiefung der Sprachkenntnisse – die Menschen, das Land und die Studienmöglichkeiten an einigen deutschen Universitäten kennenzulernen. Die Schulleiter, Frau Sandra Sile (Agenskalns-Gymnasium) und Herr Maris Brasla (1.Staatsgymnasium), begleiteten die sechs Schülerinnen und acht Schüler, von denen die meisten vor dem Abitur stehen.

Dank der Mitarbeit engagierter Mitglieder erfreut sich der Förderkreis zunehmender Beliebtheit und Anerkennung, sodass heute außer in Hamburg und Kiel uns Mitglieder und Ansprechpartner in Düsseldorf, Erlangen, Gießen, Hannover, Karlsruhe und Würzburg unterstützen. So entstand die Idee, die Informationsreise der Schülerinnen und Schüler im Jahre 2006 durch vier Bundesländer zu führen.

Die Namen und Studienwünsche der Schülerinnen und Schüler waren bekannt, so konnten die entsprechenden Referenten an den jeweiligen Universitäten im Voraus angesprochen werden. Während die Eltern die Flugreise und die Kosten für das tägliche Mittagessen übernahmen, steuerte die „Brücke“ die Kosten für die Zugreisen, die Übernachtung sowie die Transporte zu den Unterkünften bei.

Für den Ankunftstag in Berlin hatte Herr Gerhard Daniell ein informatives Programm vorbereitet, das am Vormittag die Studienberatung durch das Zulassungsbüro für ausländische Studierende der Humboldt-Universität beinhaltete. Am Nachmittag empfing uns in der Botschaft der Republik Lettland die Kulturbeauftragte Frau Dace Veidmane. Eine Dampferfahrt entlang den Regierungsgebäuden und der Museumsinsel schloss das Berlin – Programm ab.

Am nächsten Tag erwartete Herr Dr. Eberhard Thomas in Gießen die Gruppe mit einem ausgefeilten Viertageprogramm. Kernpunkte waren die Einführungen und Beratungen an der Justus – Liebig – Universität und an der Fachhochschule. Weitere geistige Anregungen boten eine Stadtbesichtigung und der Besuch des Justus-Liebig-Museums und des Mathematikums. Ein (lukullischer) „Baltischer Abend“ auf dem Corpshaus der Normannia bildete den Abschluss, auf dem nach einem kurzen Vortrag des Vorstands über die Aufgaben des Förderkreises, man gespannt darauf war, von der Schulleiterin Frau Sile einen Bericht über den Deutschunterricht in Lettland zu hören. Wie man erfuhr, hat sich die Anzahl der Deutsch unterrichtenden lettischen Lehrkräfte mittlerweile auf über achtzig erhöht (in vierzehn ausgewählten Schulen), sechs deutsche Lehrkräfte sind zusätzlich im Einsatz, um den Unterricht für das gehobene Sprach-Programm zu unterstützen. Im gesamten Land zählt man rund 52000 „Deutschlerner“ davon 6500 in Schulen, in denen DSD-Prüfungen abgenommen werden. Die Anzahl der jährlichen Absolventen für das Deutsche Sprachdiplom (DSD) erhöhte sich von 2003 bis 2006 um 25 Prozent auf 107 – mit steigender Tendenz. Die Qualität des Unterrichts wird über die Fortbildung im Land sowie in Deutschland gefördert. Die organisatorische und pädagogische Betreuung der Schulen in den Republiken Estland und Lettland liegt – unter der Leitung von Herrn Ernst J. Barthelmeh – bei der Zentralstelle des Auslandsschulwesen des Bundesverwaltungsamtes mit Sitz in Tallinn. Das Agenskalns-Gymnasium ist zentrales DSD – Prüfungszentrum in Lettland. Die Schüler bedankten sich für die schöne Zeit in Gießen mit einigen lustig – launigen Liedern aus dem reichen lettischen Volksliederschatz.

Für Göttingen blieb der Reisegruppe nur ein Wochenende, doch das war prall angefüllt mit Studieninformationen in der Zentralen Studienberatung, einer Führung durch den Campus mit Uni-Bibliothek, einem Hörsaal und der Mensa. Natürlich besichtigten wir den inzwischen renovierten Karzer und die historische Aula. Bereits am Sonntag brachte uns die kundige Führung von Herrn Andreas Konietschke nicht nur die Geschichte Göttingens, sondern auch die historischen Persönlichkeiten und Besonderheiten der Stadt näher. Mit einem fröhlichen Begegnungs-Abend auf dem prächtigen Corpshaus der Brunsviga im Beisein örtlicher Honoratioren bot sich für die Lehrer die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen, und auch an diesem Abend wurden die Arbeit der „Brücke“ und der Deutschunterricht in Lettland vorgestellt.

Montag und Dienstag waren für den Aufenthalt in Halle(Saale) vorgesehen. Alle Schüler nahmen dort an fachlich unterschiedlichen Vorlesungen teil (wie Medizin und Physik) und konnten so ihre sprachlichen Aufnahmefähigkeiten prüfen. Das empfand man als sehr anregend und informativ. Zu Ehren der Gäste hatte Herr Andrei Popovici einen kulinarisch als „transsilvanisch“ bezeichneten Abend beim Corps Palaiomarchia vorbereitet. Bei Kerzenlicht und dezenter Musik entwickelte sich ein sehr fröhlicher Abend, bei dem neben den üblichen Informationen viele anregende Gespräche geführt wurden. Die Schüler bedankten sich herzlich, sangen lettische Lieder und sogar ein deutsches Volkslied („Das Heideröschen“). Die letzte Station war wieder Berlin, wo wir uns von den Lehrern und Schülern, die einen sehr guten Eindruck hinterlassen haben, verabschiedeten und sogar noch die Reichstagskuppel besichtigen konnten.

Die Begegnung mit den Schülern hat auch den Organisatoren an den Universitätsstandorten viel Freude bereitet, und die entstandenen Kontakte zeigen, dass die Reise ein voller Erfolg war. Die Direktoren schrieben uns dankend aus Riga am 3.Nov.06: „Unsere Schüler und Schülerinnen haben im Laufe von 9 Tagen ausführliche Informationen über die Studienmöglichkeiten in Deutschland bekommen sowie die Möglichkeit gehabt, Ihr Land und Leute näher kennen zu lernen. Während der Reise haben die Schüler und Schülerinnen ihre Deutschkenntnisse verbessert und erweitert. Die Motivation, Deutsch zu lernen, ist wesentlich gestiegen.“ Die Schüler haben sogar einen Artikel für die Zeitung „Latvijas Avize“ verfasst.

Grömitz, am 15.November 2006

Wolf-G.Ansohn, Vors. Förderkreis „Brücke zum Baltikum“ e.V.

Es folgen einige Fotos (und Namen) von der Reise:

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