Schülerbesuch 2008

13 lettische Schülern und Schülerinnen hospitierten auf Einladung der „Brücke zum Baltikum“ in Hamburg und Hannover

“Vielen Dank für die Bereitschaft unsere Schüler und Schülerinnen vom 16 bis 20.Juni 2008 an Ihrer Schule aufzunehmen. Für unsere Schüler/ – Innen, die die Absicht haben, das Deutsche Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz (KMK) Stufe II zu erwerben, ist es sehr wichtig, während ihrer Schulzeit enge und direkte Kontakte zu Deutschland, dem Land, den Menschen und seiner Kultur haben zu können“, schrieb die Direktorin Frau Sandra Sile (Agenskalns-Gymnasium in Riga) an Herrn Studiendirektor Bernhard Bock. Zuvor hatte er als Verantwortlicher für den Bereich “Kulturaustausch Europa“ der Tellkampfschule Hannover sich bereit erklärt, fünf lettische Schülerinnen und einen Schüler für eine Woche am Unterricht teilnehmen zu lassen und auch außerhalb der Schule für ein unterhaltsames Programm zu sorgen.

Gleichzeitig stellte der Autor das Projekt “Hospitieren für den deutschen Sprachunterricht in Lettland“ in Hamburg dem Direktor des Emil – Krause – Gymnasiums, Herrn Jürgen Radler, vor. Der “Brücke“ war von der Hamburger Schulbehörde diese Schule empfohlen worden, um sechs Schülerinnen und einem Schüler – aus den Gymnasien Liepaja (Liebau) und Valmiera (Wolmar) – für die Zeit vom 9.-13. Juni 2008 die Möglichkeit zu geben, am Schulunterricht teilzunehmen. Die Gastschüler haben die elfte (vorletzte) Klasse beendet und bereiten sich im jetzt Herbst auf das Abitur vor.

Die ersten Kontakte zu den deutschen Gymnasien entstanden im November und Dezember 2007. Die lettischen Schulen schickten nun die Viten und die Fotos an den Förderkreis, der mit den Schulleitern korrespondierte. Danach konnten die ersten direkten Gespräche – und vor allem die Suche nach Gasteltern erfolgen.

Von welchen Schulen kamen die Gäste, und wie kam es zum Austausch? Der Förderkreis “Brücke zum Baltikum“ fördert und unterstützt bekanntlich seit sieben Jahren den Unterricht der deutschen Sprache im Baltikum.

In Lettland entwickelten sich sogenannte Prüfungsschulen, die engste Kontakte zum Bundesverwaltungsamt (über die neuesten Prüfungskriterien und die Lehrerschulung usw.) pflegen und mit den übrigen Schulen vernetzt sind. Insgesamt 15 Deutsch unterrichtende Schulen sind so miteinander organisatorisch verbunden. Außerdem sind Koordinatoren für den Unterricht in Estland und Lettland eingesetzt, die für die Kontakte zu den Schulen, die Qualität und Aktualisierung des Sprachunterrichts und die Schulung der einheimischen Deutschlehrer Sorge tragen.

Nicht nur mittels der Medien, sondern ausführlich während unserer Besuche im Baltikum sprechen wir mit den Schulleitern und mit den Koordinatoren, um Neuigkeiten auszutauschen und das Förderprogramm auf den neuesten Stand zu halten. Auf der Wunschliste für 2008 stand das Hospitieren an deutschen Schulen, und der Förderkreis hat sich nun dafür eingesetzt.

Das Programm für die Gastschüler entstand durch lebhaften Ideenaustausch und mit starker Unterstützung der genannten Schulleiter, denn in beiden Schulen , in Hamburg wie in Hannover, war man darauf bedacht, die Integration der baltischen Gastschüler so intensiv wie möglich zu gestalten. Darüber hinaus sollte auch nach der Schule bei Veranstaltungen, Besuchen von Kulturstätten, gemeinsamen Unternehmungen, u.a. die Erfahrung der Gäste mit der “Fremdsprache“ vertieft werden. Dabei wurde darauf geachtet, den jungen Leuten den notwendigen Freiraum zu belassen.

In Hannover boten außer bei der Familie des Studiendirektors, vier weitere Familien für je eine Schülerin Unterkünfte an, sowie Herbert und Sabine Antonischki – Partner des Förderkreises – für den leider einzigen männlichen Gastschüler. In Hamburg engagierten sich Ehepaar Grass, sowie Herr Dr. Zemitis – Vorsitzender des Lettischen Vereins in Deutschland – der sogar alle drei Schülerinnen aus Liebau aufnahm, sowie Ehepaar Hoffie (als Mitglied des Förderkreises) – mit der Unterkunft für zwei Schülerinnen – und ein weiteres Ehepaar, das den einzigen Gastschüler liebevoll betreute.

Die “Brücke zum Baltikum“ übernahm die Kosten der Flüge, die Fahrkosten und für die Veranstaltungen außerhalb der Schulen. Die aufnehmenden Gymnasien sorgten auch für das Mittagessen. In Hannover koordinierte Studiendirektor Bock das Projekt, in Hamburg der Autor, doch vor allem gilt ein großes Dankeschön allen Gasteltern, die sehr zum Gelingen des Projekts beitrugen und an die Freunde der “Brücke“ in Hamburg, die mit sehr viel guter Laune einen Grillabend und kleine Ausflüge gestalteten und damit das Programm locker bereicherten.

Es waren aufregende Tage in Hamburg und Hannover, vermischt mit so manchen spannenden Momenten, die alle Beteiligten gut überstanden. Dass die Gäste ohne Begleitung durch Eltern oder Lehrer nach Deutschland kamen, hat bei den Schülern – neben anderen Erfahrungen – auch das selbständige Entscheiden und Handeln gefördert.

“Die Woche in Hannover war sehr interessant. Wir haben wirklich vieles gemacht und das Beste – Deutsch gelernt.“, schrieb Kija Beke für die Gruppe aus Riga, “So viele positive Gefühle haben sie nach Hause gebracht, so viel menschliche Wärme hat die Mädchen jeden Tag in Deutschland begleitet.(..) Viele hunderte von Fotos haben wir Eltern angeschaut. Das war eine echte Landeskunde und auch ein Sprachtraining…“, hörten wir aus Liebau, aus Valmiera schrieb Schuldirektor Janis Zemlickis: “Karlis, Evija, Justine und Liene waren begeistert, dass die deutschen Schüler und Lehrer so ein großes Interesse für Lettland hatten, dass sich viele über ihre guten Deutschkenntnisse freuten. Jetzt im September werden sie das Gesehene und Erlebte auch anderen Schülern präsentieren. Liene hat auch einen Artikel für die örtliche Zeitung geschrieben…“ Soweit Zitate aus den Dankesschreiben der Schulen. Zuletzt aus einem Brief, der uns nach einem Dankeschön an die Gasteltern erreichte.: “Brücken in andere Länder und Kulturkreise können nur entstehen, wenn gerade junge Menschen reisen, andere Länder und Sprachen kennenlernen, einander besuchen und Freundschaften schließen. Hierzu trugen wir gerne unseren Teil bei….“ . Die Tellkampfschule bot inzwischen dem Agenskalns- Gymnasium an, sich an der Europawoche (vor Ostern 2009) in Hannover zu beteiligen.

Die Gastschüler haben Adressen ausgetauscht und wünschen sich nachhaltige Kontakte mit hiesigen Schülern. Schließlich denken einige schon jetzt – in der elften Klasse – daran, nach dem Abitur in Deutschland zu studieren.

Wolf – G. Ansohn, Vors. “Brücke zum Baltikum

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

*